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Gutachten...

...hat es in meinem Fall en Masse gegeben. Folgend möchte ich gerne aufzeigen, dass es früh genug Expertisen gab, die die ISU dazu hätten bewegen müssen, umzudenken bzw. den CAS hätte davon überzeugen müssen, mich frei zu sprechen.

Unmittelbar vor der CAS-Verhandlung hat z.B. der Anti-Doping-Experte Rasmus Damsgaard sich mit der Frage beschäftigt, ob man anhand meines Blutbildes überhaupt einen Dopingnachweis führen könne. Hätte das Gericht dieses Gutachten zugelassen, wäre es wohl schwierig geworden, mich zu verurteilen. Doch das Gutachten wurde abgelehnt, mit dem Hinweis, dass es nicht auf neuen medizinischen Erkenntnissen beruhe und nur solche Gutachten wollte man in der Woche vor der Verhandlung noch zulassen. Schon damals hätte man eigentlich wissen müssen, worauf die Sache hinausläuft...

Gutachten Dr. Rasmus Damsgaard vom 13. Oktober 2009

Auch das Gutachten von Dr. Klaas Faber stammt vom 13. Oktober und macht deutlich, dass die Sperre gegen mich schon allein aus statistischen Gründen mehr als fragwürdig ist. Auch dieses Gutachten wurde von den CAS-Richtern nicht zugelassen.

Gutachten Dr. Klaas Faber vom 13. Oktober 2009

Damit untermauerte Faber die statistischen Ausführungen von Dr. Rolf Kruse, der bereits drei Monate zuvor deutlich gemacht hatte, dass es zu erheblichen Messschwankungen von Blutwerten kommen kann – selbst dann, wenn die Proben auf dem gleichen Gerätetyp an unterschiedlichen Orten gemessen würden. Dies gilt im besonderen Maße für die Retikulozyten, die mir zum Verhängnis wurden.

Gutachten Dr. Rolf Kruse vom 21. Juli 2009

Zu dem damaligen Zeitpunkt war es noch wichtig, auf solche statistischen Fakten hinzuweisen, da noch keine handfesten Erkenntnisse bzgl. einer Anomalie meines Blutes vorlagen. Diese Erkenntnisse erhärteten sich erst im Lauf der sehr langwierigen und aufwendigen Untersuchungen. Einer der ersten, der diese Meinung vertrat war Prof. Hermann Heimpel, einer der renommiertesten Hämatologen Europas. In seiner Stellungnahme für meinen Revisionsantrag fasste Heimpel im Februar 2010 noch einmal in aller Deutlichkeit zusammen, dass er bereits in seinen drei vorangegangenen Gutachten (für die Verfahren vor dem ISU-Schiedsgericht und dem CAS) dargelegt hatte, dass er eine Anomalie bei mir für wahrscheinlich hält.

Gutachten Prof. Hermann Heimpel 11. Februar 2010

Doch Heimpels Ausführungen hielten den CAS nicht davon ab, im Zweifel gegen die Angeklagte zu entscheiden. Im Gegenteil. Sie zogen einen VORLÄUFIGEN Arztbericht von Prof. Hubert Schrezenmeier heran, in dessen Klinik ich mich im Vorfeld der ISU-Verhandlung untersuchen ließ. Die CAS-Richter zogen sich die Passagen Schrezenmeiers heraus, die Ihre These („eine Blutanomalie ist auszuschließen“) stützte und bauten ihre Urteilsbegründung gegen mich auf diesen Auszügen auf. Das war zwar nachweislich falsch, führte aber aus Sicht der Richter zum gewünschten Ergebnis. Daran änderte auch das „Protestschreiben“ Schrezenmeiers nichts, welches wir mit meiner Beschwerde beim Bundesgericht einreichten.

Stellungnahme Prof. Hubert Schrezenmeier vom 6. Dezember 2009

Dass selbst dieses Schreiben die Bundesrichter nicht veranlasste meiner Beschwerde stattzugeben, zeigt, dass es scheinbar unmöglich ist, ein erstmal gesprochenes Urteil des CAS aufheben zu lassen. Ganz gleich, ob sich die CAS-Richter ihr Urteil so hingebogen haben, wie es ihnen in den Kram passt. Wie fragwürdig und fehlerhaft die CAS-Richter bei ihrer Entscheidungsfindung vorgegangen sind, hat ein weiterer Anti-Doping-Experte bereits Anfang Januar 2010 detailliert zu Papier gebracht.

Gutachten Dr. Klaus Pöttgen vom 9. Januar 2010

Wer sich dieses Gutachten genau angeschaut hat, dem wird deutlich vor Augen geführt, dass mein Blutbild in keiner Weise dem einer Doperin entspricht. Man kann es drehen und wenden wie man will, es bleibt dabei, dass lediglich die Retikulozyten als Hinweis interpretiert werden können, ich hätte mein Blut möglicherweise manipuliert. Und genau an dieser Stelle werden die Expertisen der Hämatologen so wichtig. Denn hier hat sich mittlerweile eine ganze Schar von (inter)nationalen Experten gefunden, die mir eine von meinem Vater vererbte Blutanomalie bescheinigen, die eben genau diese auffälligen Retikulozten erklären kann. Beispielhaft habe ich hier vier Gutachten aufgeführt:

Gutachten Prof. Anja Veermann (Niederlande) vom 27. Februar 2010
Gutachten Prof. André Tichelli (Schweiz) vom 2. März 2010
Gutachten Prof. Gerhard Ehninger vom 15. Juni 2010
Gutachten Prof. Winfried Gassmann vom 17. Juni 2010

Sie alle und noch weitere Professoren der Hämatologie sind überzeugt davon, dass meine Blutanomalie für die bei mir gemessenen schwankenden und zeitweise erhöhten Retikulozyten verantwortlich ist. So auch der italienische Prof. Alberto Zanella, der im Revisionsverfahren von der ISU als Gutachter benannt wurde. Er brachte erstmals die Diagnose hereditäre Xerozytose anstatt hereditäre Sphärozytose ins Gespräch. Obwohl es letztlich völlig unerheblich ist, wie die Anomalie nun genau heißt (beide Arten erklären meine Werte), erklärte ich mich zu einer weiteren Untersuchung bereit, um auch dieses Phänomen aufklären zu können. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es sich bei meiner Anomalie um eine Mutation beider „Zytosen“ handelt. Im Rahmen meiner Comeback-Pressekonferenz vom 8. Februar 2011 hat mein behandelnder Arzt, Prof. Stefan Eber, den anwesenden Journalisten noch einmal in aller Ausführlichkeit die abschließende Diagnose vorgestellt.

Gutachten Prof. Stefan Eber vom 6. Februar 2011

Diesen Ausführungen ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen. Wie ich von Anfang behauptet habe, wird der Tag meiner vollständigen Rehabilitation irgendwann kommen. Medizinisch ist dies mittlerweile längst der Fall. Jetzt hoffe ich, dass die von Prof. Eber an den IOC-Präsidenten Rogge gerichtete Petition auch im Kreise des Sports seine Wirkung nicht verfehlen wird...