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Trotz der Klageabweisung: Urteil des Landgerichtes in Mnchen ist ein weiterer Schritt zu meiner Rehabilitierung

6.3.14 11:02
Seit der Urteilsverkndigung des Mnchner Landgerichtes am Mittwoch vergangener Woche habe ich unzhlige Medienanfragen bekommen. Doch um den Richterspruch zu kommentieren, wollte ich erst einmal das komplette Urteil lesen. Mittlerweile liegen mir die insgesamt 58 Seiten vor und meine anfngliche Enttuschung ist einer Freude ber die in der ersten Instanz erreichten Erfolge gewichen. Nachdem mir mein Anwalt Dr. Thomas Summerer das eine oder andere Detail erlutert hat, blicke ich zuversichtlich nach vorne und bin guter Dinge, dass mir am Ende des Verfahrens endgltig Gerechtigkeit widerfhrt.

Sicher, bislang habe ich noch keinen Cent Schadensersatz fr die vor knapp fnf Jahren gegen mich verhngte Unrechtssperre erhalten. Meine Klage diesbezglich wurde abgewiesen, weil sich das Gericht an den CAS-Schiedsspruch gebunden fhlte. Was aber nicht heit, dass die drei Richterinnen das damalige Urteil gegen mich auch inhaltlich teilen. Bereits in der Pressemitteilung zum Urteil hatte das Landgericht mitgeteilt, dass die Kammer weder prfen konnte noch durfte, ob die Dopingsperre rechtmig war. Die Rechtskraft des Schiedsspruchs war anzuerkennen. Die Ablehnung meiner Klage hatte also eher formelle Grnde. Wer das Urteil des Landgerichtes im Detail liest, kann es dann aber trotz der Klageabweisung durchaus als weiteren Schritt zu meiner vollstndigen Rehabilitierung werten. Denn obwohl die Richterinnen juristisch keine Mglichkeit sahen, die Rechtmigkeit der Dopingsperre zu berprfen, taten sie dies auf moralische Art und Weise, in dem sie ihr Erstaunen ber das Vorgehen des CAS zum Ausdruck brachten. Die Textpassage auf den Seiten 48/49 des Landgerichturteils, die ich folgend im Wortlaut wiedergebe, ist aus meiner Sicht sehr bemerkenswert, wirft sie doch ein entsprechendes Licht auf die Verfahrensfhrung des CAS-Schiedsgerichtes:

Im Rahmen seiner Beweiswrdigung kam das Schiedsgericht dann auch zu dem Schluss, als Ursache fr die erhhten Retikulozytenwerte der Klgerin kme neben Blutmanipulation eine mgliche Blutkrankheit in Betracht. Das Schiedsgericht folgerte jedoch weiter, nach einer Untersuchung der Klgerin durch einen von ihren gewhlten Spezialisten fr Hmatologie knne die Mglichkeit einer Blutkrankheit jedoch mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Diese Schlussfolgerung ist erstaunlich. Das Schiedsgericht bezeichnet den Bericht des untersuchenden Spezialisten als Abschlussbericht, obwohl der Spezialist in seinem Bericht von einem vorlufigen Ergebnis spricht. Prof. dOnofrio (ISU-Sachverstndiger, Anmerkung von mir) fhrte im Schiedsverfahren aus, dass es nach den durchgefhrten Tests und Untersuchungen keine weiteren Untersuchungsmglichkeiten der Klgerin gbe. Er wies aber darauf hin, dass die hypothetische hereditre Sphrozytose nur durch eine Untersuchung der Verwandten der Athletin festgestellt werden knne. Dieser Mglichkeit wurde nicht weiter nachgegangen. Auch wurden im Schiedsverfahren die damals neu geplanten Richtlinien der Welt Anti-Doping Agentur diskutiert, nach denen nicht nur ein Blutwert wie der Retikulozytenwert fr den indirekten Dopingnachweis heranzuziehen ist, sondern nach Art. 3.3, 6.1 dieser Richtlinien fr eine aussagekrftige Blutanalyse, auf die ein Dopingnachweis gesttzt werden kann, zehn Blutwerte zu bercksichtigen sind, Diese Richtlinien traten wenige Tage nach Verkndung des Schiedsspruchs in Kraft. Dennoch wurden vom Schiedsgericht in seiner Beweiswrdigung lediglich die hohen Retikulozytenwerte zur Untermauerung des Dopingvorwurfs herangezogen. Angesichts der immensen Konsequenzen einer Dopingsperre fr einen Athleten, die ein Berufsverbot bedeutet, eine enorme Rufschdigung darstellt und extreme finanzielle Konsequenzen mit sich zieht, ist es erstaunlich, wie leicht das Schiedsgericht in seiner Beweiswrdigung ber die strengeren Mastbe der Welt Anti-Doping Agentur und die auch nach Durchfhrung der Beweisaufnahme noch bestehende Mglichkeit der Alternativursache der hohen Retikulozytenwerte hinweggeht.

Ich meine: Dafr, dass die Richterinnen am Landgericht den Schiedsspruch des CAS inhaltlich weder prfen konnten noch durften, ist die Kritik am Vorgehen der CAS-Richter erstaunlich deutlich ausgefallen. Nicht von ungefhr heit es kurz darauf im Urteil des Landgerichtes wrtlich:

Angesichts der nach Abschluss des Schiedsverfahrens gewonnenen medizinischen Erkenntnisse und angesichts der zwischenzeitlich geltenden Richtlinien der Welt Anti-Doping Agentur, die strengere Kriterien an den Nachweis einer indirekten Beweisfhrung vorsehen, erscheint es fraglich, ob der Schiedsspruch vom 25.11.2009 inhaltlich zutreffend ist.

Das trifft den Kern der Sache ziemlich auf den Punkt. Von daher bin ich auch nach wie optimistisch, dass mir in der Berufungsverhandlung doch noch ein Schadensersatz fr das an mir verbte Unrecht zugesprochen wird. Zwei wichtige Voraussetzungen fr einen Erfolg in der nchsten Instanz hat brigens das Urteil des Mnchner Landgerichts geschaffen trotz Abweisung meiner Klage. Zum einen hat es sich zustndig erklrt, sodass mein Verfahren auf jeden Fall in Deutschland zu Ende gebracht werden kann. Ich habe ja bereits angekndigt bis zum Bundesgerichtshof zu ziehen, falls dies ntig ist, um endlich Gerechtigkeit zu erfahren. Zum anderen wurde im Urteil des Landgerichtes die Schiedsklausel in der Athletenvereinbarung, die uns Sportlern bislang den Gang vor ein staatliches Gericht verboten hat, fr null und nichtig erklrt. Das heit, dass nicht nur ich, sondern auch jeder andere Athlet zuknftig ein staatliches Gericht anrufen darf und sich nicht der in meinem Fall gezeigten Willkr der Sportgerichtsbarkeit unterwerfen muss. Insofern habe ich schon einen Sieg errungen. Und zwar nicht ich alleine, sondern gemeinsam mit allen Sportlern, die den von mir vorgelegten Einwand gegen die Schiedsklausel unterschrieben haben. Bei jedem einzelnen der mehr als 60 Athleten habe ich mich in dieser Woche per E-Mail bedankt. Jeder von uns kann stolz darauf sein, mit seiner Unterschrift zu einer weitreichenden Vernderung zugunsten der Athleten im Sportrecht beigetragen zu haben.

Die nchsten Wochen und Monate werden zeigen, ob diese Vernderung eventuell auch zur Grundlage fr einen erfolgreichen Prozessverlauf meiner Schadensersatzklage vor dem OLG in Mnchen werden kann.

Zunchst werde ich mich allerdings auf einen mglichst guten Saisonausklang konzentrieren. Natrlich musste ich in der Vorbereitung auf die nchsten Weltcuprennen nicht auf den fast schon obligatorischen Besuch der Dopingkontrolleure verzichten. Am 4. Mrz 2014 durfte ich einmal mehr eine Blut- und eine Urinprobe abgeben. Damit steht die Zahl meiner Dopingkontrollen aktuell bei Nummer 522. Leider war das aber auch schon fast das Einzige, was seit meiner Rckkehr aus Sotschi normal verlaufen ist. Kaum war ich wieder in Berlin, ist der Infekt, den ich dank der guten medizinischen Betreuung in Russland noch ganz gut in den Griff bekommen hatte, so richtig ausgebrochen. Eine Woche lang konnte ich berhaupt nicht auf dem Eis trainieren. Von daher wrde es mich berraschen, wenn ich am Wochenende in Inzell vorne mitlaufen knnte. Ich habe mich entschieden, auf die 1.500 Meter am Freitag zu verzichten, um Krfte fr die 3.000 Meter am Samstag zu sparen. Im Langstrecken-Weltcup liege ich derzeit in der Gesamtwertung auf Platz zwei. Mit zwei ordentlichen Leistungen in Inzell und eine Woche spter beim Weltcupfinale in Heerenveen hoffe ich, diesen Rang verteidigen zu knnen. Das ist mein Ziel.

Drckt mir dafr bitte Daumen und bleibt mir gewogen,
Eure Claudia

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