+++ Der Kampf um Gerechtigkeit wird konsequent weiter geführt +++ Verfassungsbeschwerde fristgerecht eingelegt +++ BGH-Urteil und Anhörungsrüge hier veröffentlicht +++

Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen

News

Von Halb- und Unwahrheiten der ISU: Fair Play endgltig ber Bord geworfen!

23.10.13 08:19
Am kommenden Wochenende beginnt mit der Deutschen Meisterschaft in Inzell die olympische Saison. Meine Ziele sind klar gesteckt: Ich mchte mich zum sechsten Mal fr Olympia qualifizieren und in Sochi gerne meine zehnte Olympiamedaille gewinnen. Diesen Zielen habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten alles untergeordnet. Ich habe versucht, mich auf den Sport zu konzentrieren, obwohl es mit meiner Schadensersatzklage vor dem Mnchner Landgericht noch ein weiteres wichtiges Thema gibt, welches mich sehr beschftigt. Es ist unmglich, so etwas komplett auszublenden, aber ich wei diese Angelegenheit bei meinen Anwlten Dr. Thomas Summerer, Dr. Christian Krhe, Simon Bergmann sowie bei meinem Lebensgefhrten Matthias Groe und meinem Manager Ralf Grengel in besten Hnden. Von daher habe ich mich zuletzt mit persnlichen Kommentaren weitgehend zurckgehalten. Doch nachdem die ISU vorgestern ihre jahrelange Mauertaktik endgltig aufgegeben und eine lngere Pressemitteilung verfasst hat, ist es an der Zeit, mich wieder einmal in aller Deutlichkeit und ausfhrlich zu Wort zu melden. Denn diese ISU-Erklrung macht das gesamte Dilemma, das sich der Weltverband eingebrockt hat, mehr als deutlich.

Es gibt kaum noch jemanden, der die gegen mich im Jahr 2009 verhngte Sperre nachvollziehen kann. Bester Beweis dafr: 100 Athleten, Trainer, Betreuer, Mediziner und Funktionre aus 14 Nationen, allesamt aus der internationalen Eisschnelllauf-Familie, haben gefordert, mich zu rehabilitieren. Die Liste mit den Unterschriften unter diesem Appell liegt den ISU-Bossen mittlerweile auf dem Tisch und scheinbar auch schwer im Magen. Anders sind die jngsten Ausfhrungen wohl kaum zu erklren, mit denen der Versuch gestartet wird, die Sperre gegen mich zu rechtfertigen.

Es ist ein erbrmlicher Versuch. Ein Versuch voller Halb- und Unwahrheiten, mit dem die ISU endgltig jeglichen Anstand und Fair-Play-Gedanken ber Bord wirft. Ein Versuch, der sich nahtlos in die Prozessstrategie des Weltverbandes einfgt, in der auch nicht davor zurckgeschreckt wird, glatte Lgen vorzutragen, um die eigene Position zu sttzen.

Im Folgenden mchte ich gerne detailliert auf die Ausfhrungen der ISU eingehen:

1. Die medizinischen Experten der ISU bestreiten, dass die bei mir diagnostizierte Anomalie meine extrem hohen Retikulozytenwerte und deren nachfolgenden rapiden Abflle erklren kann. Fakt ist: Hier fangen die Halbwahrheiten bereits an. Es sind nicht mehrere Experten, sondern lediglich ein einziger Hmatologe, der diese Zweifel geuert hat. Welch Zufall, dass es sich dabei ausgerechnet um jenen Professor handelt, der bereits in den Verfahren vor dem ISU-Verbandsgericht und vor dem CAS mageblichen Anteil an meiner Verurteilung hatte. Nur mit dem Unterschied, dass Prof. DOnofrio anno 2009 eine Blutanomalie bei mir noch zu 99 Prozent ausschlieen konnte. Mittlerweile hlt er diese zwar fr mglich, meint nun aber, sie knne meine Retiwerte nicht erklren. Schon kurios, dass die ISU dieser Einzelmeinung mehr Glauben schenkt als den Dutzend Hmatologen aus vier Nationen, die allesamt anderer Meinung sind. Besonders vielsagend ist dabei die Tatsache, dass der Weltverband den eigenen Gutachter Prof. Alberto Zanella verleugnet, der der ISU schwarz auf wei gegeben hat, dass die Fluktuation der Retikulozyten-Zahlen, die
bei Claudia Pechstein gefunden wurden, durch das Vorhandensein einer erblichen Membranopathie gerechtfertigt werden kann. Wer unter diesen Voraussetzungen eine Stellungnahme verffentlicht, in der behauptet wird, die medizinischen Experten der ISU wrden bestreiten, dass die bei mir diagnostizierte Anomalie meine Retiwerte erklren knne, der tuscht bewusst die ffentlichkeit. Ich bin mir sicher, dass solche unzutreffenden Behauptungen vor dem Mnchner Landgericht nicht einfach so durchgewunken werden.

2. Besonders bizarr wird es, wenn die ISU behauptet, es gbe keine Beweise fr die Anomalie. Fakt ist: Es gibt eine klare medizinische Diagnose des Mnchner Prof. Dr. Stefan Eber, einem international ber jeden Zweifel erhabenen Spezialisten auf dem Gebiet der vererbten Blutkrankheiten und -anomalien. Prof. Eber hat mich und meinen Vater persnlich untersucht und festgestellt, dass mein Vater mir die Anomalie vererbt hat. Diese Diagnose wurde vom ISU-Gutachter Prof. Zanella besttigt. Was bitteschn soll denn noch passieren, damit die ISU einlenkt und ihren Fehler eingesteht? Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Es fehlen keine Beweise fr die Anomalie, sondern es fehlen die Beweise fr Doping. Es gibt bis heute keinen einzigen. Und es kann auch keinen geben, weil ich nie gedopt habe! Ich wurde nicht verurteilt, weil es einen Beweis fr Doping gab, ich wurde lediglich verurteilt, weil die ISU eine Blutanomalie ausschloss. Auf diesen einfachen Nenner ist der Wahnsinn zu bringen. Es gibt keinen Anti-Doping-Experten, auch keinen der ISU, der erklren kann, wie mein Blutbild durch Doping entstanden sein soll. Es gibt kein wie, kein wo, kein wodurch und kein womit. Auf der anderen Seite gibt es weltweit anerkannte Spezialisten, die mein Blutbild durch eine mir von meinem Vater vererbte Anomalie erklren. Der Sachverhalt ist so eindeutig, dass er selbst fr ISU-Funktionre verstndlich sein sollte.

3. Die ISU behauptet, meine Selbstanzeigen sollen dazu dienen, die ffentlichkeit in die Irre zu fhren. Fakt ist: Ich bin verurteilt worden, weil die ISU die Meinung vertritt, Retikulozyten von mehr als drei Prozent seien bei gesunden Menschen nur durch Doping zu erklren. Fakt ist auch: Im Dezember 2009, nur 16 Tage nachdem der CAS die Sperre der ISU besttigt hat, hat die ISU bei mir erneut einen Wert von ber drei Prozent gemessen. Zwar hat der Weltverband diesen Wert knapp vier Jahre lang unter Verschluss gehalten, aber jetzt, im Zuge des Mnchner Verfahrens, ist er ffentlich geworden. Wenn also am 25. November 2009 der CAS meine Sperre besttigte, weil Werte von ber 2,85 Prozent (so steht es im CAS-Urteil) bei mir angeblich nur durch Doping zu erklren sind, warum hat mich die ISU dann nicht gleich wieder gesperrt, als sie am 11. Dezember 2009 einen Wert von 3,03 Prozent gemessen hat? Wenn dieser Wert nur durch Doping zu erklren ist, dann muss ich also wieder gedopt gewesen sein. Ich wei zwar nicht womit und wodurch. Aber das spielt auch keine Rolle, das wusste die ISU im Februar 2009 auch nicht und trotzdem hat sie mich angezeigt und mir das Verfahren gemacht. Da sie im Dezember 2009 und auch im Mrz 2011, als ein Wert von 3,06 Prozent gemessen wurde, darauf verzichtet hat, habe ich mich eben selbst angezeigt. Ich will, dass die Sache geklrt und erneut untersucht wird. Was bitteschn soll daran irrefhrend sein? Irrefhrend ist allenfalls die Tatsache, dass die ISU-Bosse im November 2009 meine Verurteilung als groen Erfolg feierten, um mich 16 Tage spter fr das gleiche Delikt unbehelligt laufen zu lassen. Bis heute ist die ISU jegliche Erklrung dafr schuldig geblieben.

4. Stattdessen versucht die ISU vom Wesentlichen abzulenken und stellt Behauptungen auf, die tatschlich irrefhrend sind. So heit es in der ISU-Erklrung wrtlich: Zudem ist die Glaubwrdigkeit von Frau Pechsteins Behauptungen stark davon untergraben, dass sie sich seit Beginn des Falls geweigert hat, sich unabhngigen klinischen und Labortests zu unterziehen, obwohl ihr diese Mglichkeit sowohl whrend der ersten Anhrung der Disziplinarkommission im Juli 2009 und erneut whrend der Berufungsverhandlung des CAS angeboten wurde, um eine Blutanomalie zu beweisen.
Diese Behauptung ist gleich in mehrfacher Hinsicht falsch. Fakt ist: Zu keinem Zeitpunkt habe ich Untersuchungen verweigert. Im Gegenteil: Ich hatte bereits vor Beginn der ISU-Anhrung einen Hmatologen konsultiert. Ich habe mich lediglich geweigert, eine ISU-Frist von 45 Tagen zu akzeptieren, in der ich den Nachweis einer Anomalie htte fhren mssen, um einen Schuldspruch zu vermeiden. In diesem Zusammenhang ist ein Fakt besonders interessant: Die ISU hat damals einen Vorschlag unterbreitet, bei welchem Hmatologen ich zwecks der medizinischen Tests vorstellig werden soll. Sein Name: Prof. Alberto Zanella. Richtig, jener Mediziner, der sich in der Zwischenzeit nicht nur der Diagnose von Prof. Stefan Eber angeschlossen, sondern sogar unumwunden eingerumt hat, dass Prof. Eber Untersuchungen meines Blutes vorgenommen hat, die er, Zanella, in seiner Praxis nicht htte durchfhren knnen. Wrtlich schreibt Prof. Zanella in diesem Zusammenhang an seinen Kollegen Prof. Eber:
Ich muss CP nicht noch einmal untersuchen, um mir bei der Diagnose sicher zu sein, da Sie einen hervorragenden Job gemacht und sogar die Ektazytometrieuntersuchung durchgefhrt haben, die wir nicht in unserem Labor durchfhren knnen. Ich habe bereits meine Schlussfolgerung (die deckungsgleich mit Ihrer ist) in meinem Gutachten gezogen, welches ich an die ISU gesendet habe und ich denke, dass ich wirklich nichts mehr zu dem, was bereits geschrieben wurde, ergnzen muss, und meiner Meinung nach, gibt es keinen Bedarf fr irgendein weiteres Attest.
Noch einmal: Bei diesem Statement handelt es sich um die Aussage jenes Hmatologen, den die ISU whrend der Verhandlung am 3. Juni 2009 vor dem eigenen Verbandsgericht als behandelnden Arzt fr mich vorgeschlagen hat. Und obwohl seine Besttigung der Anomalie-Diagnose klarer und eindeutiger nicht ausfallen knnte, weigert sich die ISU sogar heute noch, diese anzuerkennen.
Das alles zeigt, dass ich mit meiner Entscheidung von damals ganz und gar richtig gelegen habe. Denn was bitteschn htte ich in 45 Tagen bringen sollen, um einem Schuldspruch zu entgehen? Zanella htte mein Blut nicht so detailreich wie Eber analysieren knnen. Untersuchungen meiner Familie waren nicht vorgesehen. Niemand htte also feststellen knnen, dass es sich bei mir um eine von meinem Vater vererbte Anomalie handelt, die meine Reti-Werte verursacht. Zanellas Erkenntnisse wren demnach bei weitem nicht so umfassend gewesen wie jene, die Prof. Eber als Grundlage fr seine Diagnose dienten. Da die ISU nicht einmal heute die Meinung Zanellas akzeptiert, htte ein weniger fundierte Analyse von ihm im Sommer 2009 keinesfalls zu einer anderen Haltung des Weltverbandes fhren knnen. Von daher ist die aktuelle Argumentation der ISU vom 21. Oktober 2013 ganz und gar absurd und wird dreister Weise noch durch eine glatte Lge ergnzt. Denn zu keinem Zeitpunkt habe ich whrend der CAS-Verhandlung das Angebot ausgeschlagen, mich untersuchen zu lassen. Wahr ist: Ein solches Angebot hat es nie gegeben!

5. Richtig erbrmlich wird die Argumentation der ISU, wenn sie auf meine Retikulozytenwerte vor und nach der Sperre zu sprechen kommt. Ketzerisch wird in der gestrigen Erklrung des Verbandes gefragt: Kann eine Blutanomalie so intelligent sein, dass sie erkennt, wann sie mit der hheren Produktion von Retikulozyten beginnen und wann sie damit aufhren soll? Dieser Frage vorangestellt steht die Behauptung, dass die hchsten Retiklozytenwerte stets bei wichtigen Wettkmpfen gemessen worden wren. Fakt ist: Erhhte Retikulozyten sind nicht leistungssteigernd. Im Gegenteil: Besonders niedrige Retikulozyten sind viel eher verdchtig, da die vermehrte Produktion von Retis (jungen Blutkrperchen) zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen ist und mglichst viele ausgereifte Blutkrper fr einen gesteigerten Sauerstoffhaushalt und damit fr eine bessere Leistungsfhigkeit sorgen. Was also soll bitteschn intelligent daran sein, wenn whrend der Wettkmpfe besonders hohe Retis gemessen wurden? Der Anti-Doping-Experte Dr. Rasmus Damsgaard (Medizinischer Direktor der FIS) hat dazu Folgendes festgehalten: Wenn meine Retis tatschlich Folge von Doping seien, dann wre ich ein Jahrzehnt lang zu dumm zum Dopen gewesen! Man kann die populistische Darstellung der ISU also durchaus auch humorvoll nehmen, man kann deutlich erhhte Retis an Wettkampftagen bei Menschen mit einer Blutanomalie aber auch wissenschaftlich begrnden, wie es der ISU-Gutachter Prof. Zanella getan hat:
Da selbst bei milden Formen der Hmolyse die Erythropoese im Allgemeinen angeregt ist, kann eine extreme krperliche Belastung, die sonst ohne Auswirkungen auf das Knochenmark bleibt, die Variabilitt der hmatologischen Parameter verstrken.
Die ISU-Bosse mssten nur das lesen und akzeptieren (!), was ihnen der eigene Gutachter ins Buch geschrieben hat. Doch stattdessen versuchen sie die Leute lieber fr dumm zu verkaufen!

6. Die letzte ISU-Unverschmtheit, die ich kommentieren mchte, ist die Behauptung, dass meine Werte seit April 2011 stets im normalen Bereich gewesen wren und meine Blutanomalie somit auf wundersame Weise verschwunden sei. Auch diese Aussage ist Halbwahrheit und Lge zugleich. Halbwahrheit deshalb, weil die ISU in diesem Zusammenhang vergessen hat, zu erwhnen, dass sie seit April 2011 auf ein anderes Messgert umgestellt hat und die Blutproben nun fast ausschlielich auf einem Sysmex-Gert von Siemens anstatt einer Advia-Maschine misst. Dies ist deshalb von besonderer Bedeutung, da Sysmex im Durchschnitt deutlich niedrigere Retikulozyten misst als Advia. Ein Beispiel dafr hat die ISU selbst geliefert, als sie eine Blutprobe von mir vom 15. April 2009 sowohl auf Advia als auch auf Sysmex messen lie. Ergebnis 1,32 Prozent (Sysmex) zu 2,40 Prozent (Advia). So erscheint die Aussage, es habe seit 2011 keine erhhten Werte mehr bei mir gegeben, in einem vllig anderen Licht. Zumal diese Aussage auch nachweislich falsch ist und damit die nchste ISU-Lge darstellt. Sysmex gibt als Referenzbereich fr normale Retikulozyten nmlich 0,5 bis 2,0 Prozent an. Bei mir wurden nach April 2011 trotz des Gertewechsels dreimal erhhte Werte gemessen. Der Hchste lag sogar bei 2,22 Prozent. Wenn man nun eine hnliche Wertverschiebung von Sysmex zu Advia annimmt, wie sie die ISU am 15. April 2009 selbst festgestellt hat, dann entsprche diese Messung einem Adviawert von rund 4 (!) Prozent. Das wre dann der hchste Retiwert, der jemals bei mir gemessen wurde. Diese Blutkontrolle stammt brigens vom 11. Oktober 2011, aus einer Trainingskontrolle vor dem Saisonstart. So viel zur Intelligenz der Anomalie...

In diesem Sinne, bleibt mir gewogen

Eure Claudia


Zurück zur Übersicht